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RSNplusWird das Chaos-Finale endlich verändert?

“Total bescheuert, inakzeptabel“: De Panne in der Kritik

Von Felix Mattis aus De Panne

Foto zu dem Text "“Total bescheuert, inakzeptabel“: De Panne in der Kritik"
Das Feld im Finale der Classic Brugge-De Panne | Foto: Cor Vos

27.03.2025  |  (rsn) – Dass das Finale des Classic Brugge-De Panne (1.UWT) alles andere als ungefährlich ist, weiß man seit Jahren. Bei der 49. Auflage des 2018 von einer Kurz-Rundfahrt zum Eintagesrennen verkürzten Events aber hat sich das in einem Ausmaß gezeigt wie bislang nie. Ganze vier Massenstürze gab es auf den letzten fünf Kilometern des flachen Halbklassikers an der belgischen Küste – und schlussendlich entbrannte dadurch auch in De Panne die Sicherheitsdebatte.

"Ich finde das Finale total bescheuert – anders kann man es nicht sagen", fand Max Walscheid (Jayco – AlUla) gegenüber radsport-news.com nach dem Rennen deutliche Worte. "Die Straßenführung ist nicht gut." Der Heidelberger war dabei noch im Glück: Zwar musste auch er im letzten der vier Massenstürze knapp einen Kilometer vor Schluss stoppen, doch zu Boden ging Walscheid nicht – anders als viele andere Fahrer.

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Max Kanter (XDS – Astana) musste einen Moment überlegen, wie er sich am geschicktesten ausdrücken sollte, so wirkte es jedenfalls. Dann blieb aber auch ihm nichts anderes übrig, als die Dinge beim Namen zu benennen: "Das Finale ist sehr, sehr hektisch und auf jeden Fall gefährlich", sagte der Sechstplatzierte, der sturzfrei durchgekommen war.

Und Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) erklärte RSN: "Es gilt als das Rennen mit den meisten gefährlichen Punkten im Kalender. Es sind viele Inseln, auch eine Verengung am letzten Kilometer. Es ist nicht so ein Rennen, wo ich wirklich heiß darauf bin, es zu fahren." Wenn ein waschechter Sprinter so etwas über ein topfebenes Rennen sagt, das von seinem Profil her wie für ihn gemacht scheint, spricht das Bände.

Die Chronologie der Sturz-Misere von De Panne:

Schon fünf Kilometer vor Schluss krachte es ein erstes Mal rund um Tudor-Sprinter Alberto Dainese, unter anderem blieb Juri Hollmann (Alpecin – Deceuninck) lange am Boden sitzen. Er kam, wie wohl der allergrößte Teil aller Sturzopfer dieses Tages, mit oberflächlichen Verletzungen davon. Von Knochenbrüchen zumindest war am Abend zunächst nichts bekannt. (Anmerkung: Erst am Folgetag wurde bekannt, dass sich Nikias Arndt einen Wirbel gebrochen hatte.)

1,5 Kilometer später gingen die nächsten Fahrer zu Boden, darunter allein drei von Intermarché – Wanty um Sprinter Gerben Thijssen. Etwas mehr als zwei Kilometer vor dem Ziel krachte es zum dritten Mal, als einige Fahrer von Cofidis und Arkéa – B&B Hotels - darunter die Sprinter Milan Fretin und Arnaud Démare - auf dem linken Gehweg Positionen gutmachen wollten.

Und als sich die Straße an der 1.000-Meter-Marke schließlich von drei Spuren auf eine verjüngte, ging den Sprintzügen der Platz aus und es kam nach einer Berührung des späteren Siegers Sebastian Molano (UAE – Emirates – XRG) mit Danny van Poppel (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Edward Theuns (Lidl – Trek) zum größten der vier Massenstürze. Molano und van Poppel kamen genau wie Bauhaus, in den van Poppel reingekippt war, gerade noch davon, doch Theuns ging hart zu Boden und über ihn stürzte der Rest – darunter Tim Merlier (Soudal – Quick-Step), der sich eine tiefe Wunde am Knie zuzog, und Olav Kooij (Visma – Lease a Bike). Dagegen hatten Walscheid und Jasper Philipsen (Alpecin – Deceuninck) Glück im Unglück: Sie mussten zwar stoppen, konnten aber Stürze vermeiden.

Eine Zielanfahrt, die einem WorldTour-Sprint nicht gewachsen ist

Kühl analysiert könnte man behaupten: Der erste Sturz geschah in einer relativ normalen Linkskurve – auch wenn es dort von einer größeren in eine kleinere Straße ging. Der zweite Sturz ereignete sich in einer ebenfalls recht normalen Rechtskurve. Und der dritte deshalb, weil einige Fahrer den Gehweg nutzten. Der letzte und größte Vorfall aber war eindeutig darauf zurückzuführen, dass die Straße innerhalb des Schlusskilometers in der direkten Sprintvorbereitung drastisch schmaler wurde.

Das Grundproblem ist, dass die Strecke für einen echten Sprint-Showdown nicht gemacht ist. Auf dem Weg zum Ziel im Zentrum von De Panne befinden sich zahlreiche Verkehrsinseln, Kreisverkehre und als Krönung geht es in einer engen Rechtskurve rund 500 Meter vor dem Ziel auch noch über die Gleise der 'Kusttram' – der Straßenbahn, die die Küstenorte Belgiens miteinander verbindet. Diese letzte Kurve ist ein echtes Nadelöhr und sticht wohl selbst Laien als Gefahrenpunkt ins Auge.

Doch schon die Anfahrt nach De Panne ist kritisch: Nicht umsonst haben die Veranstalter in der Ortschaft Adinkerke etwas mehr als zwei Kilometer vor dem Zielort eine Zusatzschleife rund um den Freizeitpark Plopsaland eingebaut, da der direkte Weg in Richtung De Panne dort auf der Hauptstraße mit extrem vielen bepflanzten Fahrbahnteilern gesät ist. Fast schon ironisch, dass sich drei der vier Stürze auf dieser Schleife ereigneten.

Rennveranstalter: "Werden uns mit den Fahrern zusammensetzen"

Walscheid meinte: "Grundsätzlich finde ich schon gut, wenn man Kurven im Finale hat, weil das das Peloton ein bisschen entzerrt. Aber die Straßenverhältnisse hier sind nicht gut, dann hat man in der letzten Kurve noch die Tram-Schienen und es gibt eine starke Verengung bei der Flamme Rouge – das ist eine Summe aus Faktoren, die es zu einem ungünstigen Finale machen. Ich denke, man hätte hier andere Möglichkeiten, aber das Rennen war schon immer hektisch."

Nachdem Frauen wie Männer in den vergangenen Jahren immer wieder ihre Bedenken geäußert hatten, darf man hoffen, dass sie nun endlich Gehör finden – frei nach dem Motto: Es muss immer erst etwas passieren. Im belgischen Fernsehen war das Sturz-Debakel am Mittwoch in den Stunden nach dem Rennen jedenfalls Hauptthema und Sporza sprach auch mit Renndirektor Bruno Dequeecker.

Der nahm natürlich nicht alle Schuld auf sich, aber gab zumindest zu, dass ihn die Geschehnisse betroffen machten. "Wir werden uns mit den Fahrern zusammensetzen müssen, um zu sehen, wie wir es sicherer machen können", meinte der Belgier, betonte aber auch: "Die Strecke ist seit Jahren dieselbe und von der UCI abgenommen."

Sich aufs Wetter zu verlassen, ist naiv

Die Veranstalter in De Panne bauen darauf, dass es im Marschland 'De Moeren' windig ist und dort Windstaffeln entstehen, so dass sich das Peloton vor dem Finale zerpflückt. Sich so aufs Wetter zu verlassen, darf wohl als arg blauäugig bezeichnet werden. Denn bleibt der Wind aus, ist das Rennen wenig fordernd und ein großes Peloton mit all den noch sehr frischen Sprint-Assen rauscht auf kleinen Straßen in Richtung Finale.

"Wenn man mit 60 ziemlich frischen Männern auf die letzten 800 Meter kommt und die Straße sich dann auf eine Spur verschmälert, dann ist klar, dass es superhektisch wird. Jeder will seinen Sprinter genau dort absetzen und das macht es supergefährlich", sagte Alpecin-Sprintanfahrer Jonas Rickaert und Soudal – Quick-Steps Sportlicher Leiter Iljo Keisse meinte: "Mit mehr Wind wäre das Peloton in De Moeren zerbrochen. Aber ein Sprint mit dem ganzem Feld? Da wusste man, dass das schief geht. In den vergangenen Jahren ging es auf wundersame Weise gut, aber heute ist es umso schlechter gelaufen. Für einen Sprinter-Klassiker auf diesem Level ist das ein inakzeptables Finale."

Nun bleibt also die Hoffnung auf Veränderung im Jahr 2026. "Ich weiß, dass es ein Rennen mit Geschichte ist, und ich liebe das. Aber es muss etwas geben, was man da machen kann", sagte Sam Welsford (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Kanter meinte zu RSN: "Das muss der Veranstalter für sich entscheiden, aber vier Stürze auf fünf Kilometern sprechen für sich."

Immerhin gestand Dequeecker: "Wir müssen für die nächste Ausgabe die Straßenverengung anschauen." Vor einigen Jahren fuhr man schon anders herum nach De Panne hinein. Doch auch da musste man über die Gleise der 'Kusttram' und durch einige enge Kurven - Pascal Ackermanns Steißbein dürfte sich noch daran erinnern.

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