RSNplusWomen´s WorldTeams 2026: Human Powered Health

Kommt mit den Verstärkungen auch mehr Fortune dazu?

Von Jens Claussen

Foto zu dem Text "Kommt mit den Verstärkungen auch mehr Fortune dazu?"
Human Powered Health präsentierte unlängst sein neues Race Kit | Foto: Human Powered Health

11.01.2026  |  (rsn) – Der aktuelle Weltranglistenplatz wird der Entwicklung, die Human Powered Health 2025 durchlaufen hat, nur bedingt gerecht. Denn auch wenn man mit Rang 13 im UCI-Ranking im Jahresvergleich lediglich um einen Platz abgerutscht ist, dürfte das Team von Managerin Ro De Jonckere mehr von der abgelaufenen Saison erwartet haben. Seit dem Aufstieg in die WorldTour 2022 hatten die Amerikanerinnen keine schlechtere Erfolgsbilanz.

Dabei begann alles so hoffnungsvoll, als Thalita de Jong schon Ende Januar bei der Trofeo Binissalem-Andratx (1.1) den ersten Sieg für die Mannschaft einfahren konnte. Es sollte allerdings der vorletzte für das US-Team sein, dem im Sommer lediglich Kathrin Schweinberger bei den Österreichischen Meisterschaften noch einen weiteren folgen ließ. Die erst Anfang 2025 als Siegfahrerin verpflichtete de Jong musste nach einem Schlüsselbeinbruch, dem sich eine mysteriöse Muskelerkrankung anschloss, die Saison bereits Anfang August nach Beendigung der Tour de France Femmes (2.WWT) ad acta legen.

Ex-Crossweltmeisterin Thalita de Jong fuhr früh im Jahr auf Mallorca den einzigen Saisonsieg von Human Powered Health ein | Foto: Cor Vos

Eine andere Trumpfkarte, die in der Vergangenheit regelmäßig stach, fand ebenfalls nie wirklich in einen Rennrhythmus hinein. Die Polin Daria Pikulik, ansonsten eine sichere Bank für Siege und Podiumsplatzierungen, kam aufgrund einer Schulter-Operation im Frühjahr zu keiner Zeit richtig in Fahrt. Und da es auch Ruth Edwards, Gewinnerin der Thüringen Ladies Tour (2.Pro) 2024, nicht gelang, die Form des Vorjahres zu konservieren, war es an Barbara Malcotti, die Kohlen für Human Powered Health aus dem Feuer zu holen. Die Italienerin fuhr zwar kein Sieg ein, mehrere Top-Ten-Platzierungen bei großen Rundfahrten ließen jedoch ihr Potenzial erkennen.

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Mit Blick auf die Neuzugänge für 2026 scheinen die Verantwortlichen in der Ausrichtung des Teams ihre Linie leicht verändern zu wollen - weg vom Allrounder-Line-up hin zu einer stärkeren Fokussierung auf die Gesamtwertung bei Etappenrennen. Mit der Schweizerin Petra Stiasny wurde zur Unterstützung Malcottis eine kletterstarke Rundfahrerin geholt, die 2025 mit gleich mehreren Top- 20-Resultaten bei WordTour-Rennen ihren Durchbruch geschafft haben dürfte.

Des Weiteren rundet die 20-jährige Titio Ryo als bergfeste Helferin ein mögliches Gerüst für die anstehenden Grand Tours ab. Ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern feiert die Niederländerin Nina Buijsman, die nach einem zweijährigen Gastspiel bei FDJ United – Suez zum Team zurückkehrt. Mit ihren Qualitäten als Allrounderin gilt sie als wertvolle Verstärkung für Eintagesrennen an der Seite von Kathrin Schweinberger, Lily Williams sowie Marta Jakulska, die ebenfalls neu dazu gestoßen ist.

Nachdem Ende Juli 2025 öffentlich bestätigt wurde, dass Sponsor Human Powered Health sein Engagement bis mindestens Ende 2028 fortsetzen wird, muss aber personell sicherlich weiter nachgebessert werden, um in den kommenden drei Jahren unter den besten fünf Frauenteams der Welt vertreten zu sein. Denn dieses Ziel wurde vom Management in aller Deutlichkeit formuliert.

Gespannt sein darf man auf die neuen Impulse, die Magnus Bäckstedt, Sieger von Paris-Roubaix 2004, in die Sportliche Leitung bringt. Nach drei Jahren bei Canyon – SRAM - Racing und einem weiteren bei Cofidis gilt der 50-jährige Schwede inzwischen als ausgewiesener Experte des internationalen Frauenradsports. Bäckstedt ersetzt den Italiener Enrico Campolunghi, dessen Zukunft im Radsport bis dato unbekannt ist. Mit Romy Kasper hat nach zwei Jahren Teamzugehörigkeit, eine wichtige Stütze mit einer großen Portion Erfahrung die Equipe verlassen. Die 37-Jährige wechselt zur kommenden Saison ins Gravel-Lager, ihre Rolle als bisheriger Road Captain könnte die US-Amerikanerin Williams einnehmen.

Der Top-Transfer: Petra Stiasny

Stiasny hat nach zwei eher durchwachsenen Jahren bei Fenix – Deceuninck (2023/2024) die Rückkehr zu ihrem alten Team Roland Le Dévoluy als Sprungbrett nutzen können, um sich nach dem Abstieg des Schweizer Rennstalls in die Pro-Kategorie erneut für ein WorldTeam zu empfehlen. Mit konstant guten Leistungen hatte sich die Schweizerin offensichtlich schon in der ersten Saisonhälfte in den Fokus von Human Powered Health gefahren.

Dessen Teammanagement nutzte dann den Giro d’Italia (2.WWT), um Stiasny ein Engagement über zwei Jahre anzubieten. Mit dieser Sicherheit im Rücken performte die 24-jährige Kletterin im weiteren Saisonverlauf beständig und machte in der Weltrangliste einen Riesensprung von Platz 632 auf Rang 90.

Laut Stiasny wird sie in ihrem neuen Team mehr Chancen bekommen, sich gezielt auf ausgewählte Highlights vorbereiten zu können. Ein Umstand, der sie in ihrer Entwicklung noch weiter nach vorne bringen könnte – musste sie doch bei der eher dünn besetzten Mannschaft Roland immer wieder Lücken füllen und an 51 Renntagen acht Rundfahrten bestreiten. Mit Stiasny, die in ihrem fünften Profijahr mit dem Gewinn des Grand Prix Bouquerón (1.1) den ersten Karrieresieg landen konnte, kommt zwar keine potenzielle Siegfahrerin ins Team. Dafür ist sie eine äußerst ehrgeizige Athletin, die den Rückenwind der vergangenen Saison für weitere Schritte in ihrer Laufbahn nutzen möchte.

In den Bergen fühlt sich Petra Stiasny am wohlsten | Foto: Cor Vos

Im Fokus: Barbara Malcotti

Als die Fahrerin mit dem größten Leistungssprung hat sich Malcotti in ihrem vierten Jahr bei Human Powered Health ins Rampenlicht gefahren. Die 25-jährige Italienerin hat mit Platz acht beim Giro und Rang 13 bei der Tour bewiesen, dass sie in der Weltspitze der GC-Anwärterinnen angekommen ist.

Mit weiteren Top-Ten-Resultaten in der Gesamtwertung der UAE Tour (2.WWT / 6.), Burgos-Rundfahrt (2.WWT / 9.) und Volta a Catalunya (2.1 / 8.) avancierte sie zur nach UCI-Punkten erfolgreichsten Fahrerin ihres Teams. Mit ihrer Beständigkeit in Etappenrennen untermauerte die Trentinerin den Anspruch auf eine Leaderrolle und könnte gemeinsam mit Stiasny ein schlagkräftiges Duo bei bergigen Rundfahrten bilden.

Auf Barbara Malcotti (vorne im Bild) ruhen große Hoffnungen bei den Grand Tours. | Foto: Cor Vos

Das Aufgebot:
Iurani Blanco (Spanien / 27), Giada Borghesi (Italien / 23), Nina Buijsman (Niederlande / 28), Carlotta Cipressi (Italien / 22), Maggie Coles-Lyster (Kanada / 26), Thalita de Jong (Niederlande / 32), Ruth Edwards (USA / 32), Marta Jakulska (Polen / 25), Jente Koops (Niederlande / 18), Barbara Malcotti (Italien / 25), Mona Mitterwallner (Österreich / 23), Daria Pikulik (Polen / 28), Wiktoria Pikulik (Polen / 27), Marit Raaijmakers (Niederlande / 26), Katia Ragusa (Italien / 28), Titia Ryo (Frankreich / 20), Kathrin Schweinberger (Österreich / 29), Petra Stiasny (Schweiz / 24), Lily Williams (USA / 31), Silvia Zanardi (Italien / 25)

Davon Neuzugänge:
Nina Buijsman (FDJ – Suez), Marta Jakulska (Ceratizit), Jente Koops (NXTG Racing U19), Titia Ryo (Arkéa – B&B Hotels), Petra Stiasny (Roland Le Dévoluy)

Teamleitung:
Manager: Ro De Jonckere
Sportdirektor: Kenny Latomme
Sportliche Leiter: Magnus Bäckstedt, Giorgia Bronzini, Callum McQueen, Clark Sheehan

Material:
Rahmenhersteller: Faktor
Gruppe: SRAM
Laufräder: Black Inc
Reifen: Vittoria
Trikot: Verge
Helm: Smith

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