RSNplusWomen´s WorldTeams 2026: Canyon - SRAM - zondacrypto

Mit neuer Führung in ein richtungsweisendes Jahr

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Mit neuer Führung in ein richtungsweisendes Jahr"
Soraya Paladin (links) und Antonia Niedermaier (rechts) im neuen Trikot von Canyon - SRAM - zondacrypto für 2026. | Foto: Cor Vos

05.01.2026  |  (rsn) – Nach dem Aus des Ceratizit-Teams und der Umlizenzierung von Lidl - Trek ist Canyon – SRAM – zondacrypto weiterhin eines von zwei deutschen Teams in der Women's WorldTour, darunter aber das mit mehr Historie. Der in Leipzig beheimatete Rennstall erreichte 2024 mit dem Tour-de-France-Sieg von Kapitänin Katarzyna Niewiadoma den absoluten Höhepunkt. Doch nach zwei Jahren in den Top 3 der Team-Weltrangliste ging es 2025 nun einen kleinen Schritt zurück: Auf dem fünften Platz schloss die Mannschaft das vergangene Jahr ab.

Das lag weniger an eigener Schwäche, als vielmehr am Aufrüsten bei der finanzstarken Konkurrenz von FDJ – Suez mit Demi Vollering, Elise Chabbey und Juliette Labous sowie dem UAE Team ADQ mit Elisa Longo Borghini.

Allerdings schlugen die prominentesten Canyon-Neuverpflichtungen auch nicht so richtig ein: Cecilie Uttrup Ludwig brachte kaum eigene Ergebnisse zustande und auch von Sprinterin Chiara Consonni hatte man sich trotz eines ordentlichen Frühjahrs mit Platz zwei in De Panne und Platz fünf in Wevelgem sicher mehr erhofft. Die Italienerin war zwar die zweitbeste Punktesammlerin für das deutsche Team, perspektivisch sollte mit ihr in Massensprints aber noch mehr möglich sein. ___STEADY_PAYWALL___

Katarzyna Niewiadoma-Phinney ist weiterhin die große Leistungsträgerin im Team Canyon – SRAM – zondacrypto. | Foto: Cor Vos

Der Kopf des Teams war und ist weiterhin die Polin Niewiadoma-Phinney. Auch wenn sie 2025 nicht ganz ihr fabelhaftes 2024 wiederholen konnte, so gehört die 31-Jährige weiterhin zur absoluten Weltspitze, sobald das Terrain schwieriger wird – bei Klassikern wie Rundfahrten. Nur Vollering und sie standen bislang bei allen vier Tour-de-France-Ausgaben seit der Neuauflage des Rennens 2022 auf dem Podium.

Es ist davon auszugehen, dass Niewiadoma-Phinney, deren Vertrag am Saisonende ausläuft, auch in diesem Jahr wieder diejenige sein wird, die für Canyon die Kohlen aus dem Feuer holt und bei den größten Rennen die klare Leaderin ist. Wichtig wird, dass ihre hochtalentierten Teamkolleginnen mehr und mehr zu ihr aufschließen. So trauen viele der 22-jährigen Antonia Niedermaier und der 21-jährigen Zoe Bäckstedt in der neuen Saison jeweils sehr große Entwicklungsschritte zu. Vor allem aber müssen Uttrup Ludwig und die Austalierin Neve Bradbury, die nach ihrem bärenstarken 2024 im vergangenen Jahr nicht glänzen konnte, wieder zur Top-Form finden.

Antonia Niedermaier gewann 2025 die Nachwuchswertung beim Giro und hat sich in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich in Richtung Weltspitze gesteigert. Die Frage ist: Was ist der nächste Schritt für das deutsche Spitzentalent? | Foto: Cor Vos

Dafür sorgen soll ab 2026 ein alter Bekannter: Rolf Aldag, der bereits 2020 für eine Saison an Bord war, übernimmt nach seinem Abschied von Red Bull – Bora – hansgrohe die Rolle des Sportchefs. Der 57-Jährige hat insgesamt einen vorzüglichen Kader beisammen, zu dem neben Niedermaier mit Gravel-Spezialistin Rosa Klöser und dem 21-jährigen Talent Justyna Czapla noch zwei weitere Deutsche gehören, aus dem aber wohl noch deutlich mehr herauszukitzeln ist, als es zuletzt wurde - beispielsweise auch bei Chloe Dygert (siehe unten). Da nicht nur Niewiadoma-Phinneys Vertrag ausläuft, könnte das ein richtungsweisendes Jahr für den stets innovativen und sehr beliebten Rennstall werden.

Der Top-Transfer: Tsige Kahsay Kiros

Ohne jede Neuverpflichtung geht der WorldTour-Kader des Rennstalls aus Leipzig in die Saison 2026. Während Ricarda Bauernfeind (zu Lidl – Trek) und Alice Towers (zu EF Education – Oatly) das Team verlassen, kommt tatsächlich keine einzige neue Fahrerin hinzu – zumindest im Profikader. Canyon – SRAM – zondacrypto verfügt seit 2022 aber auch über ein Development-Team mit dem Beinamen 'Generation'. Dort will man Talente fördern – und für 2026 wurden gleich fünf neue Namen dem Entwicklungsteam hinzugefügt:

Großes Talent im Generation-Team von Canyon: Tsige Kahsay Kiros (ganz rechts in Blau-Weiß) beim Training vor den WM-Rennen in Kigali. | Foto: Cor Vos

Die deutsche Ex-Boxerin Sophie Alisch (24), die 22-jährige Eriträerin Monaliza Araya, die 19-jährige Polin Weronika Wasaty, die 18-jährige Italienerin Erja Giulia Bianchi und die 18-jährige Äthiopierin Tsige Kahsay Kiros. Besonders letztere ist perspektivisch sehr interessant. Kiros wurde in Ruanda WM-Siebte der Juniorinnen, gilt als großes Klettertalent und wird bereits von Tadej Pogacars Manager Alex Carera beziehungsweise dessen Agentur vertreten. Bei der WM in Kigali trainierte sie auch bereits mit Pogacar und dessen Freundin Urska Zigart.

Im Fokus: Chloe Dygert

Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass Chloe Dygert in Richmond Doppel-Weltmeisterin der Juniorinnen wurde. Eines der größten Talente, die der Frauen-Radsport im letzten Jahrzehnt gesehen hat, brachte es seither zu einem kompletten Medaillensatz bei Olympia und acht WM-Titeln auf der Bahn sowie auf der Straße zu Zeitfahr-Bronze bei Olympia 2024 in Paris und zwei WM-Titeln im Zeitfahren 2019 und 2023.

Verfügt über riesiges, noch immer nicht vollends ausgeschöpftes Potential: Chloe Dygert. | Foto: Cor Vos

Geprägt wurde ihre Karriere aber auch von einem Horror-Unfall im WM-Zeitfahren 2020 in Imola, als sich Dygert an einer Leitplanke ihren Oberschenkel aufschlitzte und anschließend lange ausfiel. Die Jahre 2021 und 2022 waren verletzungs- und anschließend krankheitsbedingt schwer für die extrem ehrgeizige und perfektionistische US-Amerikanerin, die mit nichts anderem als Siegen zufrieden ist. 2025 startete Dygert bei der Tour Down Under stark und gewann eine Etappe, bevor sie dann ihre erste europäische Klassiker-Kampagne bestritt – mit Platz 6 in Sanrmo und 8 in Roubaix als Highlights. Später im Jahr aber lief nicht mehr allzu viel bei Dygert.

2026 muss die 29-Jährige sportlich definitiv nochmal eins drauflegen, um ihren sicher lukrativen Vertrag zu rechtfertigen. Zumal Dygert abseits des Rades aneckt: Dass sie ihr Zeitfahrrad bei der WM in Ruanda mit den Worten "Ich stehe für die Wahrheit. Ich stehe an der Seite von Charlie Kirk" beklebte und damit ein politisches Statement absetzte, konnte den Sponsoren nicht gefallen – vor allem weil Dygert sich schon 2020 einmal für ihr Verhalten auf Social Media entschuldigen musste.

Das Aufgebot:

Wilma Aintila (Finnland / 21), Zoe Bäckstedt (Großbritannien / 21), Neve Bradbury (Australien / 23), Chiara Consonni (Italien / 26), Tiffany Cromwell (Australien / 37), Justyna Czapla (Deutschland / 21), Chloe Dygert (USA / 29), Rosa Klöser (Deutschland / 29), Anastasiya Kolesava (Belarus / 25), Cecilie Uttrup Ludwig (Dänemark / 30), Maria Martins (Portugal / 26), Antonia Niedermaier (Deutschland / 22), Katarzyna Niewiadoma-Phinney (Polen / 31), Soraya Paladin (Italien / 32), Agnieszka Skalniak-Sojka (Polen / 28), Maike van der Duin (Niederlande / 24)

Davon Neuzugänge:

-

Teamleitung:
Manager: Ronny Lauke
Sportdirektor: Rolf Aldag
Sportliche Leiter: Davide Arzeni, Beth Duryea, Ronny Lauke, Steffen Radochla, Adam Szabo

Material:
Rahmenhersteller: Canyon
Gruppe: SRAM
Laufräder: Zipp
Reifen: Schwalbe
Trikot: Canyon
Helm: Giro

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