Niewiadoma zum vierten Mal Zweite

Chabbey triumphiert bei Strade Bianche Donne, Koch wird Dritte

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Elise Chabbey (FDJ United – Suez) hat die 12. Strade Bianche Donne gewonnen. | Foto: Cor Vos

07.03.2026  |  (rsn) – Elise Chabbey (FDJ United – Suez) hat die 12. Ausgabe der Strade Bianche Donne (1.WWT) gewonnen. Die Schweizerin setzte sich über spektakuläre 133 Kilometer rund um Siena an der Piazza del Campo aus einer vierköpfigen Gruppe heraus vor Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM – zondacrypto) durch und feierte den bisher größten Erfolg ihrer Karriere. Dagegen wartet die Polnische Meisterin nach nunmehr vier zweiten Plätzen weiterhin auf ihren ersten Strade-Sieg.

Nach einer sensationellen Vorstellung belegte die Deutsche Meisterin Franziska Koch den dritten Platz und rundete damit den erfolgreichen Tag für FDJ ab, der auch nicht durch das Pech von Vorjahressiegerin Demi Vollering getrübt werden konnte.

Die Niederländerin war ebenso wie die Vorjahresdritte Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) durch einen Defekt gestoppt worden und musste eine Aufholjagd starten. Die endete vorzeitig, als das Begleitmotorrad vor der Gruppe der Verfolgerinnen 32 Kilometer vor dem Ziel falsch abbog – als die den Irrtum bemerkten und auf die Strecke zurückkehrten, war es zu spät, um die Lücke noch zu schließen.

“Dieser Sieg löst so viele Emotionen in mir aus, dass ich es kaum fassen kann, was ich erreicht habe. Es ist einfach unglaublich.“, kommentierte die 32-jährige Chabbey ihren Coup in Siena, wo sie als erste Schweizerin jubeln konnte. “Die Strade Bianche ist eines meiner Lieblingsrennen. Ich liebe es. Wir hatten heute ein so starkes Team zusammengestellt, ursprünglich für Demi, aber sie hatte einige Probleme, und so lag es an mir. Ich war vorher in der Ausreißergruppe und habe dafür viel Kraft aufgewendet und war so so oft am Limit. Aber ich wollte für Demi und alle meine Teamkolleginnen gewinnen“, fügte sie an.

Mit drei Sekunden Rückstand wurde die Italienische Meisterin Elisa Longo Borghini (UAE – Team ADQ) Vierte vor der kanadischen Weltmeisterin Magdeleine Vallieres (EF Education – Oatly / +0:06) und der niederländischen Debütantin Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech / 0:16) sowie deren Landsfrau Marianne Vos (Visma – Lease a Bike / +0:34).

Liane Lippert (Movistar) war mit 3:28 Minuten Rückstand auf Platz 13 zweitbeste Deutsche, Vollering kam auf Rang 20 (+6:15) ins Ziel an der Piazza del Campo, wo sie aber beim Überqueren der Linie den Sieg ihrer Teamkollegin Chabbey bejubeln konnte. Damit zeigte sie sich als echte Teamplayerin und bestätigte indirekt Chabbey, die kurz zuvor gesagt hatte: "Wir haben als Team zusammengearbeitet. Demi muss genauso glücklich sein wie ich es bin, wenn sie gewinnt.“

So lief die Strade Bianche Donne:

Bei frühlingshaften Bedingungen diktierten zunächst die Teams der Favoritinnen das Geschehen in der Toskana und vereitelten alle Ausreißversuche unter den 126 Teilnehmerinnen aus 21 Teams. Hektik entstand 75 Kilometer vor dem Ziel im 5-Sterne-Sektor San Martino in Grania, mit 9,4 Kilometern der längste und schwerste des Tages, in dem sich das Feld nach zwei großen Stürzen teilte. Zu Boden gingen hier unter anderem Niewiadoma und Kim Le Court (AG Insurance – Quick-Step).

65 Kilometer vor dem Ziel bestand die Spitzengruppe aus nur noch rund 25 Fahrerinnen, darunter alle Favoritinnen. Gleich fünffach vertreten war FDJ, Visma und Lidl – Trek hatte je drei Fahrerinnen vorne platziert, auch die beiden deutschen Hoffnungen Lippert und Koch sowie die Schweizern Noemi Rüegg (EF Education – Oatly) waren mit von der Partie.

Das Streckenprofil der 12. Strade Bianche Donne | Foto: Veranstalter

Angesichts der personellen Überlegenheit sorgte FDJ für Tempo und führte die Gruppe in den nach Tadej Pogacar benannten 4-Sterne-Sektor Colle Pinzuto (2.4km), wo Chabbey bergauf attackierte und sich gemeinsam mit der Polin Dominika Wlodarczyk (UAE - Team ADQ) 48 Kilometer vor dem Ziel absetzte. Kopecky und Lippert gehörten zu den Fahrerinnen, die hier den Kontakt zu den anderen Favoritinnen verloren, um dann doch nochmals den Anschluss herzustellen.

Danach beruhigte sich das Geschehen wieder, so dass die beiden Ausreißerinnen sich einen Vorsprung von rund einer halben Minute erarbeiten konnten. Kurz darauf wurden im Le-Tolfe-Sektor Ferrand-Prévot und Vollering durch Defekte zurückgeworfen, während das Spitzenduo von den nur noch zwölf Verfolgerinnen inklusive Koch und Lippert eingefangen wurde.

Begleitmotorrad führt Vollering-Gruppe in die Irre

Knapp eine Minute dahinter folgte die zwölfköpfige Vollering-Gruppe, in der die Titelverteidigerin isoliert war. Alle Hoffnungen, mit Hilfe etwa der drei SD-Worx-Fahrerinnen die Lücke noch schließen zu können, zerschlugen sich 32 Kilometer vor dem Ziel, als das Begleitmotorrad in einer Kurve fälschlicherweise geradeaus fuhr. Die Fahrerinnen bemerkten den Fehler zu spät – und als sie wieder auf die Strecke zurückgekehrt waren, betrug ihr Rückstand fast drei Minuten.

An der Spitze hielt Wlodarczyk für ihre Teamkollegin Longo Borghini das Tempo hoch. Vor dem vorletzten Schotteranstieg des Tages initiierte Niamh Fisher-Black (Lidl – Trek) eine fünfköpfige Spitzengruppe, zu der auch Longo Borghini gehörte, die am bis zu 15 Prozent steilen Colle Pinzuto gemeinsam mit Chabbey attackierte. Niewiadoma und Rüegg waren die aktivsten in der nur noch acht Fahrer umfassenden Verfolgerinnengruppe, die kurz vor dem letzten Sektor zum Duo aufschloss.

Prompt ging Koch in die Offensive, ehe Chabbey im Le-Tolfe-Sektor zum wiederholten Mal attackierte. Im bis zu 18 Prozent steilen Bergaufstück lösten sich Niewiadoma und Longo Borghini und nahmen die letzten zwölf Kilometer Seite an Seite in Angriff, um kurz darauf Verstärkung durch Pieterse zu erhalten. Rund 20 Sekunden dahinter folgten Vallieres und Chabbey, zu denen eingangs der letzten zehn Kilometer Koch und Vos aufschlossen.

Koch in entscheidender Situation eingeklemmt

Das Quartett verkürzte in der Folge nicht nur seinen Rückstand, sondern stellte sechs Kilometer vor dem Ziel das Trio, in dem Longo Borghini nur knapp einen Sturz vermeiden konnte, als sie Pieterses Hinterrad berührte. Kurz darauf eröffnete Monica Trinca Colonel (Liv – AlUla – Jayco), die zum wiederholten Mal den Anschluss geschafft hatte, das Finale, in dem sich dann aber Koch vor die Gruppe spannte und im Schlussanstieg 600 Meter vor dem Ziel attackierte.

Longo Borghini und Niewiadoma konterten und auch Chabbey kam nochmals zurück, übernahm 200 Meter vor dem Ziel die Spitze und holte sich so den größten Sieg ihrer Karriere vor Niewiadoma und ihrer Teamkollegin Koch, die ihrerseits kurz zuvor beim Versuch, nach vorne zu kommen, in einer Kurve eingeklemmt worden war und so ein möglicherweise noch besseres Ergebnis verpasste.

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