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10.02.2026 | (rsn) – Wenn das Peloton schon seit einiger Zeit aus Australien und von Mallorca zurückgekehrt ist, die Valencia-Rundfahrt und der Étolie de Bessèges gerade beendet sind und im Oman die Entscheidung kurz bevorsteht, kann man langsam an die Klassiker denken. Am 28. Februar geht es mit dem Openingsweekend beim Omloop Het Nieuwsblad (1.UWT) los. Seit Jahren ist Visma – Lease a Bike bei den Frühjahrsklassikern eine der bestimmenden Mannschaften. Grund genug, um mit Robert Wagner, einem der Sportlichen Leiter, über die Kopfsteinpflasterrennen zu reden.
Der Klassikerstar des Teams, Wout van Aert, hatte seine Crosssaison wegen eines schweren Sturzes abbrechen müssen. Doch sein Frühjahr ist dadurch nicht in Gefahr geraten. “Wout ist noch ein bisschen in seiner Rehab-Phase und hat eine Schraube im Knöchel. Aber das wurde gut gemacht und er konnte auch im Trainingslager alles mittrainieren. Er ist aktuell in der Höhe“, sagte Wagner zu RSN. Und dort, in der Sierra Nevada, stellt sich van Aert & Co. ein Problem ganz anderer Art. “Der fährt Schlitten. Die besten Bedingungen, um Ski zu fahren da oben. Schöner kannst du es nicht haben“, scherzte der gebürtige Magdeburger.
___STEADY_PAYWALL___Doch am Vorbereitungsplan ändern weder Winter noch der Sturz etwas, auch dank der guten Betreuung. “Wout ist Vollblutprofi und hat in Belgien mit einem Physio usw. seine Leute um sich herum. Die machen alles möglich, damit der Kerl fit ist und fit bleibt“, so Wagner. Einem Start beim Omloop in guter Form steht also nichts im Wege.
Ebenfalls positive Signale gibt es für den zweiten Kopfsteinpflasterspezialisten der Equipe. Christophe Laporte gewann 2023 Gent-Wevelgem (1.UWT) und Dwars door Vlaanderen (1.UWT), legte ein Jahr danach mit Paris-Tours (1.Pro) nach, hatte letzte Saison aber viele gesundheitliche Probleme. Im Herbst meldete er sich mit dem Sieg bei der Tour of Holland (2.1) und Platz zwei bei Paris-Tours zurück. “Christophe ist sehr gut drauf. In den letzten Jahren war er im Frühjahr aber etwas krankheitsanfällig. Bisher geht es sehr gut und wir hoffen, dass es bleibt. Denn er ist einer: Wenn er da ist, dann ist er da! Wenn er eine Startnummer dran hat, ist er immer gut“, so Wagner über den 33-jährigen Franzosen.
Robert Wagner (links) und Grischa Niermann sitzen im Oman zusammen im Visma-Teamwagen. | Foto: Kevin Kempf
Mit Matteo Jorgenson, Dylan van Baarle und Tiesj Benoot hatte Visma zuletzt bei den Klassikern stets drei weitere heiße Eisen im Feuer, doch auf das Trio können die Niederländer nicht mehr zählen. Während Benoot zu Decathlon abwanderte und van Baarle zu Soudal – Quick-Step zog, schlägt der US-Amerikaner dieses Jahr andere Wege ein. “Er macht eine Klassikerkampagne, aber die, die danach kommt. Er wird als erstes Ziel die Ardennenklassiker haben und dann Richtung Tour schauen“, verriet Wagner.
Dafür kann Visma einen neuen Star aufbieten, der schon letzte Saison bei Paris-Roubaix lange glänzte: Matthew Brennan. “Er wird auf jeden Fall bei Sanremo mal reinriechen. Ich denke, für die Zukunft ist das sein Rennprofil“, kündigte Wagner an. Doch kann diese Zukunft - mit der Entwicklung des 20-Jährigen im Hinterkopf – nicht schon in rund zwei Monaten eintreten? “Ich nehm’s auch jetzt schon, kein Problem“, lachte Wagner. “Aber in Sanremo geht es um den “Inhoud“, fügte er mit niederländischem Einschlag hinzu.
Doch der “Inhalt“, oder in diesem Fall wohl eher die Ausdauer kommt bei Rennfahrern etwas später. Doch Brennan hielt schon als 19-Jähriger lange mit den Besten mit und wurde am Ende 44. im Velodrome von Roubaix. “Letztes Jahr hat er da ein tolles Rennen gemacht. Er ist fehlerfrei gefahren, war immer da – aber irgendwann kam der Strecker raus. Er ist nicht über die Distanz gekommen“, erinnerte sich Wagner. Allerdings: Während die Primavera rund 30 Kilometer länger ist als Paris-Roubaix, beginnt das Finale des ersten Monuments der Saison meistens deutlich später als das der "Königin der Klassiker". Und der Brite ist wieder ein Jahr älter geworden.
Bei Paris-Roubaix konnte Matthew Brennan (Visma - Lease a Bike) schon 2025 lange mit den Besten mithalten. | Foto: Cor Vos
Bei den großen Klassikern sitzen Grischa Niermann und Maarten Wynants in den Visma-Begleitfahrzeugen. Bei kleineren Rennen hält Wagner die Zügel in den Händen. Doch wer wo wann exakt fahren wird, steht bislang nicht fest. Auch Niklas Behrens weiß noch nicht genau, wo er antreten wird. Sicher ist bislang nur Le Smayn (1.1). “Wir haben eine längere Liste für die Klassiker, und da kann er sich dann empfehlen“, versicherte Wagner. Außerdem sind gerade Frühjahrspläne auch dazu da, um geändert zu werden. “Der stürzt, der stürzt, der ist krank…, dann musst du die fünfte Reserve anrufen, weil du sonst keine Fahrer hast. Das muss natürlich nicht so kommen, aber es kann passieren.“
Passiert ist bei Visma in dieser Saisonphase zuletzt einiges. Vor allem van Aert, van Baarle und Laporte hatten immer wieder gesundheitliche Probleme. Die großen Konkurrenten kamen dagegen meist unbeschadet durch den ersten Teil der Saison. “Manchmal scheint es so, als wenn irgendjemand die Hand über Mathieu (van der Poel) hält und dem passiert dann nichts. Und auf der anderen Seite scheint es, als ob wir die Dinger dann abgekommen“, meinte auch Wagner.
“Aber wenn nichts dazwischenkommt, wird Wout in einer guten Verfassung am Start stehen. Aber dasselbe erwarte ich von Mathieu. Und Tadej dürfen wir überhaupt gar nicht vergessen, das ist vielleicht der Allerwichtigste. Der ist auch heiß wie Frittenfett und hat angekündigt, dass er Roubaix angreifen und gewinnen will“, erzählte der Deutsche Meister von 2011. “Jeder Zuschauer wünscht sich da so einen Drei- oder Vierkampf, eventuell mit Mads Pedersen.“ Der Däne allerdings muss bis auf Weiteres mit einer Schlüsselbein- und Handgelenkfraktur aussetzen
Doch was passiert, wenn es tatsächlich zum Dreikampf kommt? “Dann hoffe ich, dass dieses Mal die Karten in unsere Richtung fallen und dass Wout Roubaix oder Flandern gewinnt. Das wäre geil. Wobei ich persönlich denke, dass Roubaix ihm vielleicht noch ein Stück besser liegt“, so der 42-Jährige. Chancen auf den zweiten Sieg bei einem Monument nach Sanremo 2020 hat van Aert in den nächsten Monaten aber mindestens drei. Und bei Lüttich-Bastogne-Lüttich, wo er auch schon auf dem Podium stand, könnte sogar eine vierte folgen.
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