Down Under: Titelverteidger Narvaez nach Sturz raus

NSN verliert Strong und Stewart, gewinnt aber mit Vernon

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "NSN verliert Strong und Stewart, gewinnt aber mit Vernon "
Ethan Vernon (NSN) gewinnt die 4. Etappe der Tour Down Under in Willunga. | Foto: Cor Vos

24.01.2026  |  (rsn) – Ethan Vernon (NSN) hat in Willunga die aufgrund von Waldbrandgefahr und prognostizierten bis zu 43 Grad verkürzte 4. Etappe der 26. Tour Down Under (2.UWT) gewonnen. Der Brite setzte sich im Bergauf-Massensprint am Fuß des aus dem Parcours gestrichenen Willunga Hill nach 131 Kilometern vor dem Dänen Tobias Lund Andresen (Decathlon – CMA CGM) und dem Neuseeländer Laurence Pithie (Red Bull – Bora – hansgrohe) sowie Teamkollege Brady Gilmore (NSN) aus Australien und dem zweiten Neuseeländer Aaron Gate (XDS – Astana) durch.

Tim Torn Teutenberg (Lidl – Trek) kam in sehr guter Position am Hinterrad von Andresen sowie neben Vernon auf die letzten 300 Meter, wurde dann aber kurz nach Eröffnung des Sprints von Andresens Teamkollege Pierre Gautherat an der linken Bande eingeklemmt. Er musste seinen Sprint abbrechen und rollte als 14. über den Zielstrich.

Überschattet wurde die Etappe durch mehrere Stürze, die unter anderem zu den Aufgaben des Gesamtzweiten Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) und von Danny van Poppel (Red Bull – Bora – hansgrohe) führten. Narvaez' Teamkollege Jay Vine erreichte das Ziel aber unbeschadet und behauptete so seine Gesamtführung.

"Vor 24 Stunden hatte ich die Etappe noch gar nicht auf dem Zettel", lachte Vernon nach seinem Sieg mit Blick auf die Streckenänderung, die die Sprinter für dieses Teilstück zurück ins Spiel gebracht hatte. "Wir haben uns die letzten zwei Zielankünfte hier von den Frauen (1. Etappe 2026) und aus 2023 angeschaut und beide Male hat jemand mit einem starken, frühen Antritt gewonnen und eine Lücke gerissen. Ich war gut positioniert, bin 250 Meter vor dem Ziel losgesprungen und ich denke ich habe so ziemlich dasselbe gemacht: eine Lücke gerissen und sie dann bis zur Linie gehalten."

Für Vernons NSN-Team war der Sieg der freudige Abschluss eines fast schon verkorksten Tages: Schon am Start hatte Corbin Strong die Rundfahrt aufgegeben und rund 80 Kilometer vor dem Ziel kam es bei aufkommendem Seitenwind zu einem Massensturz im Peloton, nach dem auch Jake Stewart die Tour Down Under verlassen musste.

"Es war ein schwerer Tag für uns. Wir waren dann im Finale natürlich ziemlich geschwächt, aber die Jungs haben sich selbst übertroffen", meinte Vernon und sagte zu den äußeren Bedingungen: "Ich habe viele Jungs in der Hitze leiden sehen, hatte selbst aber nicht allzu große Probleme. Das hat mir sicher auch geholfen. Der Wind hat für viel Stress gesorgt, sonst aber keinen allzu großen Faktor gespielt heute – außer, dass er den Massensturz verursacht hat, würde ich sagen."

Brenner nach Narvaez-Aus nun Gesamtvierter

Vine führt die Tour Down Under vor der Schlussetappe nun mit noch 1:03 Minuten Vorsprung auf den Schweizer Mauro Schmid (Jayco – AlUla) an, der am Samstag am zweiten Zwischensprint zwei Bonussekunden ergattern konnte. Gesamtdritter ist nach dem Aus von Narvaez jetzt der Australier Harry Sweeny (EF Education – EasyPost / + 1:12), hinter dem weiterhin der ehemalige Deutsche Meister Marco Brenner (Tudor / + 1:14) folgt – nun eben auf Rang vier. Anton Schiffer (Visma – Lease a Bike / + 1:31) ist Gesamt-15., Florian Stork (Tudor / + 1:58) folgt auf dem 23. und Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché / + 2:14) auf dem 27. Gesamtrang.

In der Punktewertung baute Andresen seinen Vorsprung als Etappenzweiter weiter aus. Der Däne trägt das Blaue Trikot auf der Schlussetappe in Stirling am Sonntag nun mit 72 Punkten auf seinem Konto und hat damit 20 Zähler Vorsprung auf Sam Welsford (Ineos Grenadiers). Das Bergtrikot behauptete auch am Samstag wieder der Norweger Martin Urianstad Bugge (Uno-X Mobility), der mit nun 43 Punkten 26 beziehungsweise 27 Zähler Vorsprung auf Pepijn Reinderink (Soudal – Quick-Step) sowie Matthew Greenwood (Nationalteam Australien) hat – bei noch maximal 28 zu ergatternden Punkten auf der Schlussetappe.

Einen Führungswechsel gab es allerdings in der Nachwuchswertung. Dort übernahm der Italiener Andrea Raccagni (Soudal – Quick-Step) das Weiße Trikot mit nun drei Sekunden Vorsprung auf den Kanadier Michael Leonard (EF Education – EasyPost), indem er nach perfekter Vorarbeit seines Teams den zweiten Zwischensprint des Tages gewonnen hatte.

So lief die 4. Etappe der Tour Down Under:

Am Start in Brighton zeigte das Thermometer um 10 Uhr am Morgen bereits 33 Grad an und die Anzeige kletterte im Rennverlauf bis auf 40 hinauf. Vor dem Rennen war neben der Hitze aber vor allem möglicher Wind auf der Runde zwischen Willunga und dem Küstenort Aldinga Beach Gesprächsthema im Peloton – Windkantengefahr besteht in der Weinregion um McLaren Vale nördlich von Willunga fast immer.

Als es zunächst ansteigend aus Brighton hinausging, wurde sofort attackiert, und auch wenn Urianstad Bugge es versuchte, so war der Norweger erstmals bei dieser Tour Down Under nicht Teil der sich schließlich lösenden Ausreißergruppe des Tages mit Remi Cavagna (Groupama – FDJ United), Luke Plapp (Jayco – AlUla) und Matthew Greenwood (Nationalteam Australien).

Kurz nachdem sich das Trio abgesetzt hatte, kam es im Feld an einem Fahrbahnteiler zum Sturz von Narvaez. Der Titelverteidiger und Gesamtzweite saß lange mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Straße, einige Minuten später wurde seine Aufgabe vermeldet.

Das Streckenprofil der 4. Etappe. | Grafik: Tour Down Under

Unterdessen ging das Rennen an der Spitze weiter. Cavagna gewann den ersten Bergpreis am Chandlers Hill nach 13 Kilometern, wo sich Urianstad Bugge aus dem Hauptfeld heraus noch zwei Punkte für Platz vier sicherte. Auf dem Weg nach Willunga kam es im Feld, wo aufgrund des Windes in den McLaren Flats Hektik ausgebrochen war, zu einem Massensturz, aufgrund dessen unter anderem Stewart und van Poppel das Rennen aufgeben mussten. Der ebenfalls zu Fall gekommene Brenner dagegen konnte weiterfahren und wurde von seinen Teamkollegen wieder zurück ins Hauptfeld gebracht.

Greenwood gewann bei der ersten Zielpassage in Willunga nach 46 Kilometern den zweiten Bergpreis und Plapp zehn Kilometer später in Aldinga Beach den ersten Zwischensprint bei rund zweieinhalb Minuten Vorsprung für die Spitzengruppe. Nachdem zuvor Decathlon und Ineos das Tempo im Hauptfeld bestimmten, übernahm jetzt Visma – Lease a Bike die Nachführarbeit, bis es rund 50 Kilometer vor dem Ziel wieder in den Seitenwind ging und die Positionskämpfe begannen.

Dadurch schmolz der Vorsprung der Spitzenreiter ruckartig auf rund eine Minute zusammen, ehe sich Cavagna überraschend früh aus dem Trio verabschiedete. Greenwood gewann in Willunga den dritten Bergpreis, doch die Flucht der beiden Australier war nun fast vorbei und 24 Kilometer vor dem Ziel wurden sie in der Anfahrt zum zweiten Zwischensprint in Aldinga Beach schließlich gestellt. Raccagni sicherte sich nach einem Leadout seines Soudal-Teams die drei Bonussekunden für den ersten Platz vor Schmid und sicherte sich so die Führung in der Nachwuchswertung.

Teutenberg perfekt positioniert, aber an der Bande eingeklemmt

Auf den letzten 20 Kilometern rauschte das Peloton auf den erwarteten Massensprint zu. Auch der Wind in den McLaren Flats konnte den nun nicht mehr verhindern und am Ende der Kämpfe unter den Leadout-Zügen führten Visma und Ineos das Feld nach Willunga hinein und auf die letzten 1,5 Kilometer. Innerhalb des letzten Kilometers arbeitete sich aber das Decathlon-Team mit vier Mann nach vorne und übernahm die Spitze rund 500 Meter vor Schluss, um Andresen, der aber Sam Watson (Ineos Grenadiers) an seinem Hinterrad kleben hatte, scheinbar perfekt zu lancieren, .

Teutenberg saß direkt hinter Watson und begann knapp 300 Meter vor dem Ziel auf der linken Seite zu beschleunigen, während der Prologgewinner rechts um den Decathlon-Zug herumfuhr. Vernon folgte dem Britischen Meister und auch Andresen, der etwas zu lange wartete, wählte den Weg rechts an seinen letzten beiden Anfahrern vorbei. Die rückten entsprechend nach links rüber. Dabei schnitt Pierre Gautherat Teutenberg den Weg ab und klemmte ihn an der Bande ein, so dass der Deutsche seinen Sprint abbrechen musste.

Ungeachtet dessen gab Vernon rechts aus Watsons Windschatten heraus auf den letzten 150 Metern Vollgas und niemand konnte dem Briten mehr folgen, so dass Vernon mit komfortablem Vorsprung von zwei Radlängen vor Andresen und dem von weiter hinten noch stark aufkommenden Pithie gewann.

Results powered by FirstCycling.com

Mehr Informationen zu diesem Thema

27.01.2026Vine brach sich bei Känguru-Kollision das linke Kahnbein

(rsn) – Jay Vine (UAE – Team Emirates – XRG) hat sich bei seiner Kollision mit einem Känguru am Schlusstag der Tour Down Under deutlich schwerer verletzt als zunächst angenommen. Wie sein Team

26.01.2026“Känguru-Opfer“ Bjerg erlitt mehrere Knochenbrüche

(rsn) – Der Känguru-Zwischenfall auf der Abschlussetappe der Tour Down Under (2.UWT) hat für Mikkel Bjerg (UAE – Emirates – XRG) schwerwiegende Folgen. Nachdem am Sonntag schon bekannt wurde,

25.01.2026Brenner holt in Australien bestes Rundfahrtergebnis seiner Karriere

(rsn) – Auch wenn Marco Brenner nicht vollends sorgenfrei durch die Tour Down Under gekommen ist, so steht für den Tudor-Fahrer nach sechs Tagen durch Australien doch das beste Rundfahrtergebnis se

25.01.2026Highlight-Video der 5. Etappe der Tour Down Under

(rsn) - Jay Vine (UAE - Emirates - XRG) hat die Tour Down Under 2026 gewonnen. Der Australier hatte dabei aber noch einen echten Schreckmoment zu überstehen, nachdem gegen Mitte des Rennens Kängurus

25.01.2026Vine: “Das Gefährlichste in Australien? Kängurus!“

(rsn) – Jay Vine (UAE – Emirates – XRG) hat zum zweiten Mal nach 2023 die Tour Down Under gewonnen und am Ende der Schlussetappe in Stirling komfortable 1:03 Minuten Vorsprung auf den Gesamtzwei

25.01.2026Brennan siegt in Stirling, Vine trotz Känguru-Crash TDU-Sieger

(rsn) – Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike) hat in Stirling die schwere und mit 170 Kilometern auch längste Etappe der 26. Tour Down Under (2.UWT) gewonnen. Der Brite setzte sich im Sprint ein

24.01.2026Sturzfolgen: Narvaez erleidet Frakturen an der Brustwirbelsäule

(rsn) - Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) hat sich bei seinem Sturz auf der 4. Etappe der Tour Down Under Knochenbrüche zugezogen. Wie Teamarzt Adrian Rotunno auf X erklärte, seien bei dem

24.01.2026Highlight-Video der 4. Etappe der Tour Down Under

(rsn) – Nach einem zweiten und einem fünften Platz hat Ethan Vernon (NSN) bei der Tour Down Under erstmals jubeln dürfen. Auf der wegen Waldbrandgefahr verkürzten 4. Etappe setzte sich der Brite

23.01.2026Down Under: Nach Rutsch auch Teamkollege Van Eetvelt raus

(rsn) – Nach Jonas Rutsch (Lotto – Intermarché) hat auch Teamkollege Lennert Van Eetvelt die Tour Down Under vorzeitig verlassen müssen. Der 24-jährige Belgier war wie der drei Jahre ältere De

23.01.2026Waldbrandgefahr und Hitze: Willunga Hill muss gestrichen werden

(rsn) – Die 4. Etappe der Tour Down Under (2.UWT) am Samstag wird keine Königsetappe mehr sein: Das ursprünglich über 176 Kilometer geplante Teilstück mit drei Auffahrten zum Willunga Hill muss

23.01.2026Highlight-Video der 3. Etappe der Tour Down Under

(rsn) – Sam Welsford (Ineos Grenadiers) hat nach jeweils drei Siegen in den beiden vergangenen Jahren auch bei der diesjährigen Tour Down Under zugeschlagen und den ersten Erfolg im Trikot seines n

23.01.2026Welsford jubelt mit letzter Kraft und dem Glauben des neuen Teams

(rsn) – Sam Welsford (Ineos Grenadiers) hat in Nairne nach 140,8 Kilometern und einem welligen Finale seine letzten Kräfte mobilisiert und dank eines perfekt getimten Leadouts seines neuen Teams di

Weitere Radsport-Markt-Nachrichten

30.01.2026Kuschla traut deutschem U23-Quartett in Hulst die Top 20 zu

(rsn) – Am Samstag um 13:10 Uhr starten in Hulst die U23-Männer ihr WM-Rennen. Mit vier Fahrern schickt German Cycling sein größtes Aufgebot ins Rennen. Bei seiner Streckenbesichtigung am Freitag

30.01.2026Radsport live im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die w

30.01.2026In Hulst immer wieder steil auf und nieder

(rsn) – Das erste Rennen dieser Cyclocross-WM in Hulst ist Geschichte und der im Vergleich zum Weltcup runderneuerte Kurs durfte sich bei bestem Wetter erstmals im Wettkampf präsentieren. Und schon

30.01.2026Evenepoel gewinnt mit 50-km-Solo Trofeo Serra Tramuntana

(rsn) – Nach dem Sieg im Teamzeitfahren hat Red Bull – Bora – auch am dritten Tag der Mallorca Challenge (1.1) jubeln können. Mit einer ersten Attacke bereits 55 Kilometer vor dem Ziel löste s

30.01.2026Niederlande eröffnen Cross-WM mit Gold im Team Relay

(rsn) – Die erste Goldmedaille der Cross-Weltmeisterschaften von Hulst ging an die Niederlande. Im Team Relay war das von Shirin van Anrooij und Tibor Del Grosso angeführte Oranje-Sextett vor heimi

30.01.2026Auch Vuelta veröffentlicht Liste der teilnehmenden Teams

(rsn) – Die Vuelta a Espana hat am selben Tag wie die Tour de France die Liste ihrer am 22. August in Monte Carlos beginnenden 81. Ausgabe bekanntgegeben. Wie es in einer Mitteilung hieß, werden 23

30.01.2026“Größter Sieg der Karriere“: Malucelli schlägt Milan

(rsn) - Matteo Malucelli (XDS – Astana) hat auf der 4. Etappe der AlUla Tour (2.Pro) Jonathan Milan (Lidl – Trek) die Show gestohlen und sich auf dem mit 173,4 Kilometer längsten Abschnitt von W

30.01.2026“Spontan entschieden“: Meisen startet doch in Hulst

(rsn) - Entgegen anders lautenden Meldungen wird Marcel Meisen am Sonntag doch an der Cross-WM in Hulst teilnehmen. German Cycling bestätigte das offiziell auf seiner Website und schrieb dazu, dass s

30.01.2026Tour de France mit Tudor und Pinarello, keine Wildcard für Unibet

(rsn) – Rund fünf Monate vor dem Grand Départ am 4. Juli in Barcelona hat die ASO die an der 113. Tour de France teilnehmenden Mannschaften bekannt gegeben. Zu den automatisch startberechtigten 1

30.01.2026Soudal-Neuzugang Rex fällt mit Wirbelfrakturen lange aus

(rsn) – Nach seinem schweren Sturz auf der 3. Etappe der AlUla Tour wird Laurenz Rex lange ausfallen, wie sein Team Soudal – Quick-Step in einem medizinischen Update am Freitag mitteilte. Demnach

30.01.2026EF Education auf Mallorca mit neuem Zeitfahrmaterial unterwegs

(rsn) - Nachdem EF Education - EasyPost bei der Tour Down Under bereits mit einer unveröffentlichten Version des Cannondale-Straßenrades unterwegs gewesen war, hat der amerikanische Hersteller nun a

30.01.2026Trotz kleinerem Kader bleiben die Ziele groß

(rsn) – Die Bilderbuchsaison 2025 wird von den “Killerbees” schwer zu überbieten sein. Insgesamt 18 Siege fuhr Visma - Lease a Bike ein. Überragend dabei waren die Erfolge von Pauline Ferrand-