RSNplusWomen´s WorldTeams 2026: Movistar

Im Hier und Jetzt stark, perspektivisch so gut wie nie

Von Felix Mattis

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Marlen Reusser (r.) und Liane Lippert werden den Movistar-Kader der Saison 2026 anführen. | Foto: Cor Vos

19.01.2026  |  (rsn) – Zwei Jahre nach dem Karriereende von Annemiek van Vleuten darf man die Neuaufstellung beim Frauenteam des spanischen Traditionsrennstalls als geglückt bezeichnen: Aus der Mannschaft, die jahrelang hauptsächlich um seine niederländische Kapitänin geformt war, ist ein breiter aufgestellter Kader gewachsen, der weiterhin vor allem auf schwerem Terrain glänzt – mit zwei deutschsprachigen Speerspitzen in Marlen Reusser und Liane Lippert sowie sehr großen Talenten um die Junioren-Weltmeisterinnen von 2024 und 2025, Cat Ferguson und Paula Ostiz, in deren Windschatten.

"Niemand von ihnen ist 'die Nachfolgerin von Annemiek' – jede hat ihre eigenen Stärken und sie sind auch ganz andere Charaktere", sagte Team-Manager Sebastian Unzue radsport-news.com im Dezember, auf das Erbe der so erfolgreichen Niederländerin in seinem Team angesprochen. Trotzdem aber ist klar: Was den Erfolg betrifft, können sie gemeinsam den von van Vleuten vielleicht sogar übertreffen. Das Movistar-Team scheint perspektivisch so gut aufgestellt wie noch nie. ___STEADY_PAYWALL___

Der 34-jährige Unzue ist mit seiner Arbeit dafür verantwortlich. Er ist der Sohn der spanischen Teamchef-Legende Eusebio Unzue und hatte in den vergangenen Jahren zunächst die Leitung des Frauen-Teams bei Movistar. Seit diesem Winter nun ist er der Sportchef des gesamten Rennstalls und übernimmt mehr und mehr die Gesamt-Teamleitung, um die Männer dem guten Beispiel der Frauen folgen zu lassen, hat seinen Vater aber auch noch immer an seiner Seite. ___STEADY_PAYWALL___

Weltmeisterin! In Kigali gewann Marlen Reusser Gold im Einzelzeitfahren, schien aber auch im Mixed Relay und im Straßenrennen die Stärkste von allen zu sein. | Foto: Cor Vos

Zu einem ganz wichtigen Baustein in Sachen Movistar-Erfolg ist im vergangenen Jahr die von SD Worx zu den Spaniern gekommene Reusser geworden. Die Schweizerin war nach überstandenem, chronischem Ermüdungssyndrom stärker denn je, wurde erstmals Zeitfahr-Weltmeisterin und beeindruckte vor allem bei den Grand Tours als jeweils Zweitplatzierte bei Vuelta a Espana und Giro d'Italia. "Die Leute haben nicht daran geglaubt, aber sie hat gezeigt, wie gut sie klettern kann", so Unzue, der mit Blick auf 2026 erklärte:

"Wir haben zwei klare Ziele: Wir wollen die Vuelta gewinnen und wir wollen auch bei der Tour versuchen, zu gewinnen. Wir denken, dass es möglich ist und es ein toller Parcours für sie ist. Das ist der Grund, warum sie im Team ist: Weil wir gemeinsam eines Tages das Gelbe Trikot nach Hause bringen wollen. Und wenn sie nur noch ein Stückchen besser wird als 2025, ist es möglich."

Reusser ist die klare Leaderin für die Rundfahrten und wird daher weniger Klassiker fahren. Dort wiederum soll künftig für Lippert umso mehr der Fokus liegen. Die Friedrichshafenerin, die nach ihrem Wechsel zu Movistar 2023 auch ein wenig in Richtung Rundfahrten zu blicken versuchte, hat durch Reussers Ankunft im vergangenen Jahr nun wieder alle Freiheiten, sich auf das zu konzentrieren, was ihr am besten liegt: Eintagesrennen mit kurzen, punchy Anstiegen – in Flandern und auch in den Ardennen. "Sie ist eine der besten Klassikerfahrerinnen der Welt und wir wollen, dass sie sich in diese Richtung noch weiter entwickeln kann", so Unzue, der Lippert aber auch bei Vuelta und Tour an Reussers Seite haben will – als Edelhelferin mit Freiheiten für die Etappenjagd.

Etappensiege bei Grand Tours, wie hier auf der Schlussetappe des Giro 2025 in Imola, und Erfolg bei den Klassikern – das sind die Ziele für Liane Lippert 2026. | Foto: Cor Vos

Neben den beiden Köpfen des Teams und den beiden Youngsters Ferguson und Ostiz verfügt Movistar für schwere Rennen über eine starke, erfahrene Helferriege und wird beispielsweise die Niederländerin Mareille Meijer, die im Herbst heiratete und und nicht mehr Meijering heißt, beim Giro d'Italia ihr Glück im Klassement suchen lassen – begleitet von einer Reihe von jungen Fahrerinnen. Spannend wird in dieser Saison außerdem, wie die Sprintstärkste im Team, Arlenis Sierra, aus ihrer Babypause zurückkommt. Sie ist im Februar 2025 Mutter geworden. Sprint-Nachwuchs hat Movistar aber auch: Die spanischen Zwillinge Lucia und Laura Ruiz Perez (21) und auch die erst 19-jährige Britin Carys Lloyd sind allesamt endschnell.

Der Top-Transfer: Paula Ostiz

Zwei neue Namen finden sich in diesem Jahr im Movistar-Frauenkader: Francesca Barale ist von Picnic – PostNL zum Team gestoßen und mit 22 Jahren selbst noch jung und ein vielversprechendes Talent für hügeliges bis bergiges Terrain. Noch interessanter aber dürfte die Verpflichtung von Paula Ostiz sein. Die 19-Jährige aus Pamplona gewann 2025 die Junioren-Variante der Flandern-Rundfahrt, die prestigeträchtige Watersley Challenge in den Niederanden und schließlich sowohl den EM- als auch den WM-Titel im Herbst – bei der EM sogar nicht nur auf der Straße sondern auch im Zeitfahren.

Paula Ostiz hat sich als Welt- und Europameisterin von den Juniorinnen verabschiedet. Bei der Tour Down Under fuhr sie nun bereits ihr erstes WorldTour-Rennen. | Foto: Cor Vos

Ostiz ist nur 1,56 Meter groß, aber ein wahres Kraftpaket, das über die nötige Endgeschwindigkeit für Gruppensprints verfügt, aber auch beeindruckend gut klettert. 2026 sollte man natürlich noch keine Siege auf WorldTour-Niveau vom Neoprofi erwarten, groß überrascht darf aber auch niemand sein, wenn ihr Name ganz vorne in Ergebnislisten auftaucht.

Im Fokus: Cat Ferguson

Ein Jahr vor Ostiz wurde Cat Ferguson Junioren-Weltmeisterin – und wie die Spanierin stand auch die Britin zum Zeitpunkt ihres Titelgewinns bei Movistar bereits für das Folgejahr unter Vertrag, hatte sogar als Stagiaire bereits einen ersten Sieg für den Rennstall gefeiert. Ferguson gilt als absolutes Ausnahmetalent und Allrounderin für jedes Terrain. "Cat ist ein Supertalent! Sie hat ganz sicher eine glänzende Zukunft vor sich", sagt Unzue und ist mit dieser Meinung nicht allein.

Cat Ferguson gilt als eines der größten Talente im Frauen-Radsport aktuell. | Foto: Cor Vos

Fergusons einzige Schwäche scheint bislang ein wenig der Kopf zu sein – die 19-Jährige neigt dazu, zu viel zu wollen. Das brachte sie im vergangenen Sommer bereits ins Übertraining in ihrer Wahlheimat Andorra. "Sie will immer gewinnen und wann immer sie das nicht tut, ist das schon enttäuschend für sie", so Unzue. Doch wo, wenn nicht bei Movistar, kennt man sich mit derart hungrigen Fahrerinnen aus? Da winkt es dann ganz unfreiwillig doch wieder mit dem Zaunpfahl: das Erbe der Annemiek van Vleuten.

Das Aufgebot:

Francesca Barale (Italien / 22), Olivia Baril (Kanada / 28), Aude Biannic (Frankreich / 34), Cat Ferguson (Großbritannien / 19), Sheyla Gutierrez (Spanien / 32), Liane Lippert (Deutschland / 28), Carys Lloyd (Großbritannien / 19), Floortje Mackaij (Niederlande / 30), Ana Vitoria Magalhaes (Brasilien / 25), Sara Martin (Spanien / 26), Mareille Meijer (Niederlande / 30), Paula Ostiz (Spanien / 19), Marlen Reusser (Schweiz / 34), Laura Ruiz Perez (Spanien / 21), Lucia Ruiz Perez (Spanien / 21), Arlenis Sierra (Kuba / 33), Claire Steels (Großbritannien / 39)

Davon Neuzugänge:

Francesca Barale (Picnic – PostNL), Paula Ostiz (Café Baqué)

Teamleitung:
Manager: Sebastian Unzue
Sportdirektor: Jorge Sanz
Sportliche Leiter: Kelvin Dekker

Material:
Rahmenhersteller: Canyon
Gruppe: SRAM
Laufräder: Zipp
Reifen: Continental
Trikot: Gobik
Helm: Abus

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