Was beim "Micro-Adventure" in die Taschen muss

Bikepacking: Abenteuer direkt vor der Haustür

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| Foto: pd-f/ Ortlieb

05.06.2017  |  Micro-Adventure, Bikepacking: Zwei neue Begriffe für das Abenteuer in der Natur, das direkt vor der Haustür startet. Der Trend aus den USA nimmt auch in Europa Fahrt auf. Wichtig für die Rad-Abenteurer: die passenden Ausrüstung. Der erfahrene Bikepacker Gunnar Fehlau verrät, was für ihn bei jedem "Micro-Adventure" unbedingt in die Taschen muss.

Klar, man kann auf dem Dachboden und im Keller die Ausrüstung aus Pfadfinder-Jugendzeiten zusammensuchen. Das schont erstmal das Budget - bringt aber auch den Standard in Sachen Komfort, Gewicht und Funktionalität aus der Vergangenheit mit sich. Deshalb lohnt ein Blick auf aktuelle Camping- und Outdoor-Ausrüstung. Es gibt bereits Dinge, die speziell für Micro-Adventures mit dem Rad entwickelt wurden.

1. Große Taschen
Die Taschen sind der augenfälligste Unterschied zwischen Bikepacking und "klassischen" Radreisen. Der Bikepacker schnürt sein Taschen-Set direkt am Rahmen fest, und verzichtet gern auf einen Gepäckträger. Ich freue mich sehr, dass Bikepacking-Taschen mittlerweile auch in wasserdichter Qualität zu bekommen sind - zB von Ortlieb. Das „Seat-Pack“ mit Ventil lässt sich einfach straff und steif am Rad befestigen, und das „Accessory-Pack“ ist eine Offenbarung in Sachen Ordnung und schnellem Zugriff.

2. Kleine Taschen
Die kleinen Taschen für Oberrohr und Cockpit sind für den Bikepacker das, was vielen eine Handtasche in der Stadt ist: Mann oder Frau hat sie immer dabei. Ein Pionier ist aus meiner Sicht immer noch einer der Platzhirsche: Revelate Designs. Eine Fahrt ohne „Jerrycan“ (fürs Werkzeug), „Gastank“ (Snacks) und „Mountain Feedbag“ (Kamera, Telefon, Mini-Stativ) ist für mich schlicht undenkbar. Die Taschen sorgen für schnellen Zugriff. Am Boden des Feedbags liegt ein kleiner, wasserdichter Packsack zusammengerollt bereit, um bei Wetterumbruch die Technik zu schützen.

3. Lager-Jacke

Selbst im Hochsommer habe ich immer eine Jacke dabei; spätestens nach der Fahrt brauche ich sie im Lager. Früher habe ich auf Daunen gesetzt. Nun bin ich mit Primaloft unterwegs, denn diese Kunstfaser ist weniger witterungssensibel, und lässt sich auch auf dem Rad tragen - ein gewichtssparender Doppelnutzen. Zurzeit trage ich eine „Men's Minaki Jacket“ von Vaude. Clever: Der langgezogene Rücken der Jacke wärmt die Nieren beim Radeln und am Lagerfeuer.

4. Lager-Hose
Was für die Lager-Jacke gilt, trifft auch auf die Hose zu. Sie ist immer dabei, und sollte auf dem Rad und im Lager einsetzbar sein. Auch hier halten Kunstfasern Einzug. Die Parallelen zur Jacke gehen sehr weit. Mein Favorit stammt vom gleichen Hersteller und aus der gleichen Serie: „Men's Minaki Shorts II“. Die neuste Generation hat Lüftungsnetze mit Reißverschlüssen an den Beinen - sehr praktisch in den Bergen.

Jacke wie Hose verpacke ich im Sommer im „Seat-Pack“; in kühleren Jahreszeiten kommen sie zuvorderst ins „Handlebar-Pack“ (Ortlieb). So sind sie bei einem Temperaturumschwung schnell griffbereit, ohne dass nach dem Entnehmen die komplette Tasche nochmals festgezurrt werden muss.

5. Schlafsack
Der „Passion Three“ von Yeti ist seit fast zehn Jahren eine Konstante in meiner Packliste. Er ist mit knapp über 500 Gramm äußerst leicht und liefert kombiniert mit Radkleidung und Biwaksack oder Inlay Behaglichkeit bis Richtung Gefrierpunkt.

6. Isomatte

Isoliermatten haben in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung genommen: Sie sind viel leichter, kleiner und bequemer geworden. Dafür braucht man viel Atem beim Aufpumpen - oder man bedient sich eines Pumpsacks. Dieser ist in jedem Fall zu empfehlen, da so kein Speichel ins Ventil gelangt und dort bei Minustemperaturen gefriert.

Ich habe zwei Iso-Modelle im Einsatz. Im Sommer bin ich mit einer „NeoAir Xlite“ von Therm-a-Rest unterwegs, und im Winter bette ich mich auf einer mit Primaloft gefütterten „Norrsken Large“ von Vaude. Schlafsack und Isomatte verstaue ich platzsparend in Fahrtrichtung ausgerichtet im „Seat-Pack“. Kleiner Trick: Ich benutze für den Schlafsack einen alten Isomatten-Packsack. Der hat einen kleineren Durchmesser, ist aber dafür länger. So passen Matte und Schlafsack besser in die Trichterform, und der „Seat-Pack“ lässt sich einfacher schwingungsstabil festschnallen.

7. Schlauchtuch
Ein Schlauchtuch ist Helmmütze, Halstuch, Schlafmütze und Kopfkissenbezug (einfach die Lager-Jacke hineinrollen) in einem. Das erklärt, warum ich meistens zwei Stück dabei habe: Wer will auf dem Kopfkissen schon auf warme Ohren verzichten?

8. Stirnlampe
Meine Stirnlampe hat mittlerweile Aussetzer, ein namenloser Notkauf in einem Trekkingladen mitten in den Vogesen. Auf dem Wunschzettel steht die „Novalite“ von Edelrid: Leicht, klein, stabil und bezahlbar. Die Batterien sind kompatibel mit meinem GPS-Gerät, was die Ersatzteilversorgung einfach macht. Sie hat auch genug Leuchtkraft, um als Notbeleuchtung auf dem Rad zu fungieren.

9. Grillrost, Feuerstarter
Lagerfeuer und Grillen gehören für mich zu einem richtigen Abenteuer einfach dazu. Der Rost kommt von Rutalocura aus den USA, und ist dank Titan federleicht. Auf Steine oder dicke Hölzer gelegt, ist es der perfekte Bikepacker-Grill. Zum Transport am Rad packe ich den Grill in eine Ziplock-Tüte, und dann als ersten Gegenstand in die „Frame-Pack“ genannte Rahmentasche von Ortlieb. Ich habe stets noch feine Stahlwolle dabei, die dient aufgezupft als Feuerstarter und zum Reinigen des Grills. Wenn Zeit und Muße es zulassen, wird das Feuer ohne Streichhölzer entfacht. Dafür habe ich den „Ultimate Fire Starter“ von Vargo dabei.

10. Gutes Messer

Sie sind an Multitools und Fahrradwerkzeugen, gehören aber eigentlich zwischen eigene Schalen. Kein Multitool hat eine wirklich gute Klinge, deshalb keine Tour ohne separates, hochwertiges Messer. In meiner Rahmentasche verschwindet stets eines der „556“-Serie von Benchmade.

11. Erste-Hilfe-Set

Erste-Hilfe-Sets hat man immer dabei, und ist stets zufrieden, wenn man sie anschließend zuhause unbenutzt wieder ins Regal legt. So soll es sein, dennoch niemals ohne! Mein Begleiter ist das „First Aid Kit Bike Essential“ von Vaude. Was genau drin ist, habe ich vergessen, da ich es gottseidank länger nicht gebraucht habe... Mit einem Gummi habe ich noch einen Not-Biwak-Sack („Biwak LW“, Vaude) ans Set befestigt.

12. Kabelbinder, Gaffa-Tape

Ein Sortiment von rund einem Dutzend Kabelbindern wiegt nicht viel, und kann bei allerlei Improvisations-Maßnahmen guter Helfer sein. Gleiches gilt für ein paar Meter Gaffa-Tape (mein Favorit ist Gorilla), die ich um meine Mini-Pumpe gewickelt habe.

Zu diesen Dingen gesellen sich noch Radbekleidung, Kulturbeutel, Werkzeug fürs Rad, und Verpflegung samt Getränken - und schon kann das Abenteuer starten...

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